Basiswissen zum Wiese sammeln

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Oft hört man von vielen Kaninchenhaltern, dass sie schon lange Kaninchen haben, aber noch nie richtig Wiese sammeln waren oder aus verschiedenen Gründen nur gelegentlich dazu kommen. Jedoch lohnt es sich für den Kaninchenhalter sehr, sich mit der Wiesenfütterung vertraut zu machen, denn ein artenreiches Gemisch aus verschiedenen Wiesenkräutern und Gräsern stellt für die Kaninchenernährung das natürlichste Futtermittel überhaupt dar. Bei richtiger bzw. artenreicher Zusammensetzung enthält ein Wiesengemisch für Kaninchen alle essentiellen Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe, die richtige Menge an Rohfaser etc., was keine Fütterung mit Heu und Gemüse gleichermaßen bieten kann. Daher sollte die Wiesenfütterung immer die erste Wahl sein, sofern die Möglichkeit zum Sammeln besteht. Vielen Verdauungsproblemen und anderen Krankheiten kann durch eine derart gesunde Ernährung vorgebeugt werden und zudem wird eine Wiesenmischung von Kaninchen meist besonders gern gefressen. Auf diese Weise kann man seine Langohren mit einem wahren gesunden Gaumenschmaus erfreuen ohne für diese „Leckerlies“ auch nur einen Cent auszugeben. Es lohnt sich also sehr, einmal darüber nachzudenken, die Wiese fest in die Ernährung seiner Kaninchen zu integrieren!

Allerdings wird sehr viel Halbwissen über die Wiesenfütterung verbreitet, was viele Kaninchenhalter davon abhält, mit dem Wiese sammeln anzufangen. Mit nicht ausreichendem Wissen macht man sich das Sammeln zum einen unnötig schwer und eintönig (beispielsweise ist es schwierig, immer genügend „verfütterbare“ Arten zusammen zu bekommen, wenn man nur 3 kennt und an vielen Futterpflanzen aus Unwissenheit einfach vorbeigeht) und andererseits birgt Halbwissen auch Gefahren, da man so möglicherweise Giftpflanzen verfüttert. (Infos darüber, welche Wiesenpflanzen als Futterpflanzen geeignet sind und welche eher nicht, findest du hier.)

Der folgende Text soll darüber aufklären…

    1. Welche Voraussetzungen für eine Wiesenfütterung generell nötig sind

    2. Wie man als Anfänger am besten an die Sache herangeht

    3. Wie man die gesammelte Wiese am effektivsten lagert

    4. Welche Probleme im Alltag auftreten können und wie sie zu lösen sind

    5. Welche Mythen über die Wiesenfütterung verbreitet werden

 

Voraussetzungen

Prinzipiell ist Wiese das ganze Jahr über verfütterbar, nur im Winter müssen meistens noch Gemüse, Heu und ggf. Sämereien zugefüttert werden, da bei Kälte nicht mehr genug auf unseren Wiesen zu finden ist, um die nötige Menge an Wiesenpflanzen zu erreichen. Aber falls die Möglichkeit besteht, freuen sich Kaninchen ganzjährig über die artenreiche Kost.

Um mit der Wiesenfütterung beginnen zu können, müssen die Kaninchen zunächst einmal langsam an das neue Futtermittel gewöhnt werden, um Verdauungsproblemen vorzubeugen. Wenn die Kaninchen vorher mit Heu, Gemüse etc. gefüttert wurden, also anderes Frischfutter bereits kennen, kann mit einer Handvoll pro Kaninchen pro Tag begonnen und die Menge innerhalb ca. 1 Woche auf ad libitum gesteigert werden. Bei Kaninchen, die vorher nur Trockenfutter und Heu bekommen haben, also nichts bzw. extrem wenig Frisches gewöhnt sind, sollte die Futterumstellung sachter über 4-6 Wochen erfolgen, je nachdem, wie gut die Frischkost vertragen wird. Tritt Durchfall auf, muss die Umstellung langsamer erfolgen.

Falls die Ernährung, wie empfohlen, fast ausschließlich aus Wiese bestehen soll, ist es wichtig, immer ein artenreiches Gemisch zur Verfügung zu stellen. Es reicht nicht, nur die „Standard-Arten“, die jeder kennt, wie z.B. etwas Gras, Klee und Löwenzahn zu verfüttern, sondern man benötigt mehr Arten um das Gemisch ausreichend mit Nährstoffen auszustatten und außerdem abwechslungsreich zu gestalten. Denn immer dieselben 3 Futtermittel werden auch unseren Langohren schnell langweilig und sind zu einseitig. Wichtig zu beachten ist, dass Kaninchen vorrangig Blattfresser sind, die die feinen blättrigen Bestandteile der Wiese bevorzugen und lange Stängel eher verschmähen. Das gesammelte Gemisch sollte also überwiegend aus einer Vielzahl an Wiesenkräutern bestehen und Gräser eher zweitrangig vertreten sein.

Besonders wichtig für die Wiesenfütterung ist natürlich eine geeignete Sammelstelle, woher man ausreichend Futter beziehen kann. Dabei sollte es sich nicht um eine „Hundewiese“ handeln, wo das Futter übermäßig mit Kot und Urin beschmutzt wird und auch von Rändern viel befahrener Straßen und Felder wird aufgrund der hohen Belastung der dortigen Wiese durch Abgase bzw. Pestizide abgeraten. Wiesen, wo Wildkaninchen leben, sind prinzipiell unproblematisch, allerdings besteht dort natürlich ein erhöhtes Risiko zur Übertragung von Krankheiten wie z.B. RHD, RHD2, Myxomatose, div. Parasiten usw., falls die dort lebenden Kaninchen erkrankt sind. Eine Wiesenfütterung kommt also erst wirklich in Frage, wenn deine Kaninchen geimpft sind, um sie vor den eben genannten Gefahren zu schützen.

Auf dem Land hat man meist vielfältige Sammelmöglichkeiten auf Wiesen, Waldlichtungen, in Wäldern usw. Etwas schwieriger ist es hingegen für die Kaninchenhalter, die in der Stadt leben. Aber wer sich bemüht, die Augen offenhält und ein paar Minuten Fahrt in Kauf nimmt, wird auch dort eine geeignete Sammelstelle finden. Gut geeignet sind z.B. oft Brachflächen, unbebaute Grundstücke, Parks, kleinere Wälder, etc.

Tipps für Anfänger

Falls noch kein oder nur wenig Wissen über geeignete Futterpflanzen vorhanden ist, kann es hilfreich sein, sich eine Pflanzenliste mit Bildern (z.B. hier) auszudrucken oder ein Bestimmungsbuch anzuschaffen, um einen Überblick zu bekommen, was man verfüttern darf. Diese Liste nimmt man dann am besten immer zum Sammeln mit, um unbekannte Pflanzen zu bestimmen. Falls man eine Pflanze trotz Bestimmungsliste nicht identifizieren kann und unsicher ist, ob diese Pflanze mit in den Beutel soll oder nicht, kann man diese auch abfotografieren und z.B. im MSO-Forum posten und nachfragen, um welche Pflanze es sich dabei handelt und ob sie verfütterbar ist. Viele engagierte Kaninchenhalter helfen hier gern. Natürlich ist es auch hilfreich, zusammen mit anderen Kaninchenhaltern sammeln zu gehen, denn indem man Pflanzen gemeinsam bestimmt, wird das Wissen verfestigt und es macht natürlich auch viel mehr Spaß, gemeinsam statt allein über die Wiesen zu ziehen.

Für Kaninchen, die draußen leben, kann auch ergänzend zum Sammeln eine „Selbstversorgerwiese“ angelegt werden, wo die Kaninchen sich die Wiese selbst „pflücken“ können. Damit auf dieser Wiese nicht nur eintöniger Rasen wächst, kann eine Mischung ausgesät werden, die nicht nur Grassamen, sondern auch Samen verschiedener Wiesenkräuter wie z.B. Klee, Löwenzahn etc. enthält. Diese bekommt man entweder im Internet oder auch in einigen Gartencentern. Zusätzlich können anderorts besonders schmackhaft aussehende Wiesenpflanzen mit Wurzel ausgebuddelt und auf der „Selbstversorgerwiese“ wieder eingepflanzt werden, denn dann verteilen sich die Samen auf der Wiese und mit der Zeit wird sie immer artenreicher.

 

Wiese lagern

Optimal ist es natürlich, Wiese jeden Tag frisch zu sammeln. Falls dies aber zeitlich nicht möglich ist, reicht es auch, ca. alle 2-3 Tage sammeln zu gehen und die Wiese dann kühl, locker und luftig, z.B. im Kühlschrank in einem Jutebeutel oder im Keller bzw. einem anderen kühlen Raum in einem Korb oder auf einem Gitterelement aufgeschüttelt zu lagern. Keinesfalls sollte Wiese jedoch gepresst und warm gelagert werden (also z.B. niemals in einer Plastiktüte in der Sonne), da die Wiese so deutlich schneller verwest und es zu Gärungsprozessen kommt und dadurch schwere Verdauungsprobleme bei den Kaninchen entstehen.

Probleme im Alltag oder Zweifel an der Wiesenernährung

So schön die Vorstellung von Kaninchen, die friedlich einen Berg Wiese mümmeln, auch ist, leider ergeben sich im Alltag oft Probleme, welche nur selten angesprochen werden, die dazu führen können, dass man sich fragt, ob die Wiesenernährung vielleicht doch nicht das richtige ist, weil sie für jemanden persönlich zu schwer umzusetzen ist. Aber für fast jedes Problem gibt es auch eine Lösung, die gängigsten Probleme sind im Folgenden mit einigen Lösungsvorschlägen aufgeführt.

„Ich habe im Alltag leider nicht genug Zeit, um täglich zu sammeln und/oder meine Sammelstelle ist zu weit weg und ich schaffe es nicht täglich, dorthin zu fahren.“

Natürlich sollte Wiese im Optimalfall immer frisch gepflückt verfüttert werden, dies ist jedoch vor allem für Kaninchenhalter, die in der Stadt leben, die nicht „mal eben schnell“ auf der Wiese hinterm Haus sammeln können, im Alltag oft nicht umsetzbar. Es ist jedoch möglich, Wiese auf Vorrat zu sammeln und dann im Kühlschrank/Keller luftig zu lagern, dann hält sie durchaus mehrere Tage und die Tour zur Sammelwiese kann somit auf 2-4mal pro Woche beschränkt werden, je nachdem, wie viel Wiese verfüttert wird und wie sie sich im Lager hält. Dabei sollte man natürlich immer besonders gut darauf achten, dass sie nicht verdorben ist. Auf diese Weise nimmt das Wiese sammeln nicht allzu viel Zeit weg und man investiert generell Zeit in die gesunde Ernährung seiner Kaninchen, anstatt Geld im Supermarkt zu lassen.

„Ich lebe in der Stadt und daher ist das Angebot an Wiesen relativ beschränkt und alle Wiesen sind entweder wegen der Hunde oder einer nahe gelegenen Straße ungeeignet.“

Die perfekte Sammelstelle, wo weder Hunde, noch Wildkaninchen herumlaufen und in dessen Nähe sich keine Straße oder ein mit Pestiziden bespritztes Feld befindet, erweist sich leider oft als utopisch. Wenn du eine solche Sammelstelle gefunden hast, ist dies natürlich das Optimum, oft muss in der Realität aber einfach abgewogen werden, wie ungeeignet die Wiese ist und ob man die Probleme irgendwie umgehen kann. Beispielsweise kann die Wiese Zuhause immer erst in einem Wäschekorb gründlich gewaschen werden, sodass die Gefahr verringert wird, dass die Wiese mit Hundeurin beschmutzt ist. Aber bei Kaninchen, die eine Ernährung mit Frischfutter und insbesondere Wiese gewöhnt sind, sollte es auch kein Problem darstellen, wenn aus Versehen doch mal ein paar Halme mit Hunde-/Wildkaninchenurin o.ä. in die Mischung geraten. Natürlich sollte man aber Stellen, die wirklich extrem verschmutzt sind oder an einer riesigen Straße liegen, immer umgehen, denn hier wäre die Gefahr einer Vergiftung zu groß.

„Ich sammele so ungern Wiese, weil ich Angst habe, aus Versehen Giftpflanzen zu sammeln und meinen Kaninchen so zu schaden.“

Hier hilft vor allem Sicherheit beim Bestimmen, denn solche Ängste entstehen durch Unsicherheit und das lässt sich einfach vermeiden, indem man unsere Tipps zum sammeln (s.o.) berücksichtigt und komplett unbekannte Pflanzen zur Sicherheit lieber stehen lässt. Außerdem ist es wichtig zu bedenken, dass Kaninchen, die die Ernährung mit einem Wiesengemisch ad libitum kennen, in der Lage sind, zu selektieren und Giftpflanzen teilweise zu umgehen bzw. nur so viele Bissen zu nehmen, wie es ihnen auch bekommt. Trotzdem sollte die Fähigkeit unserer Kaninchen, zu selektieren, natürlich nicht überstrapaziert werden und wirklich giftige Pflanzen sollten deshalb natürlich niemals verfüttert werden. Welche das sind, erfährst du hier. Vielen Kaninchenhaltern hilft es auch, sich eine Liste mit verfütterbaren Pflanzen zu machen und diese immer mit zu nehmen und was nicht auf der Liste steht, wird eben vorsichtshalber nicht mitgenommen. Zuhause kann dann nachgeschaut werden, ob die Pflanze giftig ist oder nicht und wenn verfütterbar, wird sie eben beim nächsten Mal mitgenommen.

„Ich habe einen weiten Weg zu meiner Sammelstelle und manchmal komme ich dorthin und sehe dann, dass die Wiese gemäht ist und dort nichts mehr zum Sammeln ist.“

In solchen Fällen lohnt es sich oft, einfach an den Rändern der Wiese zu suchen, denn Wiesen werden ja in den seltensten Fällen wirklich bis in die letzte Ecke komplett kahl gemäht. Oft lässt sich dort dann noch einiges finden und anstatt der Wiese kann man in solchen Fällen dann ja auch z.B. einfach mehr Zweige mitnehmen als sonst oder notfalls mit Gemüse zufüttern. Falls die Möglichkeit besteht, ist es aber natürlich am einfachsten und sinnvollsten, erst einmal auf eine andere Sammelstelle auszuweichen.

„Ich würde meine Kaninchen ja mit Wiese ernähren, aber leider sind wir öfter im Urlaub und meine Urlaubsbetreuung hat nicht genug Wissen über Wiesenpflanzen und/oder ich kann nicht von der Person verlangen, zusätzlich zu dem Weg zu mir auch noch oft den weiten Weg zur Sammelstelle zu fahren.“

Je nachdem, wie lange der Kaninchenhalter im Urlaub ist, kann es sich lohnen, für ein paar Tage vor zu sammeln und das Futter dann einfach kühl zu lagern, sodass die Urlaubsbetreuung es nur aus dem Kühlschrank holen muss. Bei längeren Urlauben reicht dies natürlich nicht aus und es muss auf Gemüse ausgewichen werden. Dazu reicht es i.d.R. aus, wenn man schon ein paar Tage vor dem Urlaub anfängt, neben der Wiese wieder etwas Gemüse zu verfüttern und die Menge dann langsam steigert, sodass die Urlaubsbetreuung dann bequem Gemüse füttern kann und wenn der Kaninchenhalter zurück ist, kann die Menge an Wiese innerhalb von ein paar Tagen wieder auf ad libitum gesteigert werden und die Kaninchen müssen deshalb nicht den ganzen Sommer über auf Wiese verzichten.

Mythen rund um die Wiesenfütterung

Oft haben Kaninchenhalter kein ausreichendes Wissen über die Wiesenfütterung, was nicht zuletzt auch auf zahlreiche Mythen zurückzuführen ist, die sich leider hartnäckig halten und daher oft unnötig Angst verbreiten. Im Folgenden werden die gängigsten Gerüchte über die Wiesenfütterung aufgelistet und kritisch beleuchtet.

„Kaninchen vertragen keine nasse Wiese.“

Dieser Mythos leitet sich vermutlich aus Fällen ab, wo eine zu radikale Futterumstellung vorgenommen wurde. Natürlich reagieren Kaninchen, die zuvor ausschließlich mit Heu und Trockenfutter ernährt wurden, mit Durchfall, wenn man ihnen plötzlich einen riesigen Berg nasse Wiese ins Gehege legt. Bei einer sanften Umstellung ist nasse Wiese jedoch vollkommen unproblematisch. Denn ob ein Kaninchen nun „trockene“ Wiese (wobei die Pflanzen selbst schon einen enorm hohen Wassergehalt in sich tragen) frisst und dazu trinkt oder direkt regennasse Wiese aufnimmt – beides führt zum selben Ergebnis: Nasse Wiese im Magen, was wie gesagt, prinzipiell vollkommen unschädlich ist. Einzig und allein eine sanfte Futterumstellung (s.o. „Voraussetzungen“) entscheidet, wie unsere Hauskaninchen die Wiese verwerten können. Und, mal ehrlich: Würde dieser Mythos stimmen, müssten wir alle Wildkaninchen bei Regenwetter stets mit Maulkörben antreffen.

„Der hohe Calcium-Gehalt in einigen Wiesenkräutern ist problematisch und führt oft zu Blasen- oder Nierensteinen.

Prinzipiell ist es richtig, dass ein zu hoher Kalzium-Gehalt in der Nahrung zu Problemen in den Harnorganen führen kann. Jedoch wird hierbei oft vergessen, dass die Verdünnung entscheidend ist, sprich die Konzentration, in welcher das Kalzium letztendlich vorliegt. Problematisch sind hierbei vor allem getrocknete Kräuter in Fertigfuttermischungen und Heu, denn dort liegt das Kalzium durch das entzogene Wasser in immens hohen Konzentrationen vor. Wiesenkräuter, die oft aufgrund ihres vermeintlich hohen Kalzium-Gehaltes abgelehnt werden (wie z.B. Löwenzahn), enthalten jedoch im frischen Zustand oft über 80% Wasser, welches den Gehalt an Kalzium und anderen Nähr- und Mineralstoffen verdünnt. Somit kommt es bei Fütterung von frischer Wiese kaum zu Kalzium-Ablagerungen in den Organen.

„Unsere Hauskaninchen können nicht selektieren.“

Dies mag stimmen, aber lediglich im Bezug auf ein Kaninchen, das seit Jahren einzeln in einem Käfig sitzt und nichts als Trockenfutter bekommt – dieses Tier würde sich vermutlich selbst auf stark giftige Pflanzen mit Begeisterung stürzen. Beobachtet man jedoch Kaninchen, die Wiesenfütterung ad libitum schon lange gewohnt sind, bemerkt man oft, dass sie bei neuen, unbekannten Futtermitteln erst einen Probebiss nehmen. Damit Kaninchen so bedacht an ihr Futter herangehen, muss man sie aber natürlich auch erst langsam an Wiese gewöhnen, denn es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – auch unsere Kaninchen müssen gewisse Sachen erst lernen. Natürlich sollte man sich aber niemals blind auf das Selektionstalent unserer Kaninchen verlassen und wild anfangen, Giftpflanzen ins Gehege zu werfen! Es besteht immer ein gewisses Risiko, dass sich auch erfahrene „Wiese-Fresser“ einmal vertun. Daher sollte niemals bewusst Giftiges verfüttert werden.

„Kaninchen verfetten bei einer reinen Wiesenfütterung.“

Lässt man Kaninchen ihr Futter rund um die Uhr frei wählen (ad libitum), fressen sie i.d.R. genau so viel, wie sie aufgrund ihres Energieverbrauches benötigen. Dies sieht man auch bei Wildkaninchen, denn diese haben ebenfalls stets riesige Flächen, wo sie sich theoretisch endlos den Bauch vollschlagen könnten – doch sie tun es nicht, sondern fressen nur so viel, wie sie tatsächlich brauchen. Ist dies bei Hauskaninchen anders, kann es zum Beispiel daran liegen, dass sehr einseitig und rationiert gefüttert wird, denn so futtert das Kaninchen alles in möglichst kurzer Zeit auf, da es weiß, dass es erst einmal nichts Neues mehr gibt und es möchte so viel wie möglich von der Ration abbekommen. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Kaninchen aufgrund von Platzmangel und mangelndem Beschäftigungsangebot gelangweilt sind und deshalb mehr fressen, als ihnen gut tut.

„Wiese hat eine zu weiche Konsistenz und daher gefährdet eine ausschließliche Wiesenfütterung den lebensnotwendigen Zahnabrieb“

Auch dies ist ein Mythos, der sich leider sehr hartnäckig hält und sehr eng mit der Problematik der Fütterung mit Brot etc. einhergeht. Grundsätzlich sei hierzu an dieser Stelle nur gesagt: Nicht die Härte des Futters bestimmt den Grad des Zahnabriebs, sondern die Dauer, wie lange die gegenüberliegenden Zahnpaare aneinander reiben. Im Falle der Wiese ist es so, dass ein einzelnes Blatt einen verhältnismäßig geringen Energie- und Nährstoffgehalt hat. Sprich, die Kaninchen müssen besonders viel davon fressen, um ihren Bedarf zu stillen und während sie das tun, reiben permanent ihre Zähne aufeinander und nutzen sich ab, wodurch optimal gepflegte Kauflächen entstehen. Wiese ist daher auch bezogen auf den Zahnabrieb das beste Futtermittel, was nicht zu schnell sättigt.

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