Lebensphasen

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Kindheit
In der Regel werden Kaninchen nach ca. 30 Tagen Schwangerschaft nachts oder in den frühen Morgenstunden geboren. Als Nesthocker sind sie taub, blind, haarlos und völlig hilflos. Die Mutter säugt ihre Jungen ein- bis maximal zweimal am Tag und bereits jetzt lernen die Welpen mit ihrem bereits gut ausgebildeten Geruchssinn die Zitzen der Mutter schnell zu finden. Nach etwa vier bis sieben Tagen bilden sie die ersten samtartigen Haare aus und mit einer Woche haben die kleinen Kaninchen ihr Geburtsgewicht verdoppelt. Zwischen dem neunten und 14. Lebenstag öffnen sie langsam die Augen und nehmen ihre Umgebung auch mit dem Gehör wahr. In dieser Zeit ist das Fell bereits seidig und zum Ende der zweiten Woche dicht. Je nach Entwicklungsstand krabbeln die ersten Neugierigen aus dem Nest.

Spätestens mit der dritten Lebenswoche erkunden sie ihre Umgebung, saugen alle Umwelteinflüsse wie einen Schwamm auf, klettern und hüpfen überall drauf und untersuchen jeden erreichbaren Gegenstand mit ihren Zähnen (Orale Phase). In dieser Phase werden auch die ersten Männchen-machen-Versuche unternommen und das Putzen beginnt. Die Ausflüge aus dem Nest werden deutlich häufiger und von wilden Luftsprüngen begleitet. Der ausreichende Auslauf ist wichtig, damit sich Muskeln, Herz, Lunge und andere Organe gut entwickeln können. Ab der dritten Woche fangen die Welpen ebenfalls an, am Futter der Erwachsenen zu knabbern und lernen so, beeinflusst durch die Mutter, welche Futtersorten genießbar sind. 

In der fünften Woche werden die Kleinen immer selbstständiger und auch wenn sich die Ernährung langsam auf feste Nahrung umstellt, versuchen sie doch bei jeder Gelegenheit bei der Mutter zu trinken. Zwischen der sechsten und achten Lebenswoche stillt die Mutter ab und die Jungen fressen das, was ihre Mutter auch frisst (bestenfalls sind dies Wiesenkräuter und -pflanzen). 

Ab der achten Woche findet der erste Fellwechsel, sowie die ersten Raufereien unter den Geschwistern statt. Die wichtige Prägungs- und Sozialisationsphase dauert bis zur zwölften Woche, sodass die Welpen bis dahin bei der Mutter bleiben sollten. Von ihr lernen sie alles Wichtige zum Sozialverhalten, fressbare Pflanzen und die Stubenreinheit. Die Erfahrungen, die in dieser Zeit gemacht werden, sind sehr wichtig für das weitere Leben, der psychischen und physischen Entwicklung und fast unauslöschbar. 

Kleinere Rassen sind bereits zwischen der 10. Und 12. Woche geschlechtsreif, sodass frühzeitig die Frühkastration bei den männlichen Welpen vorgenommen werden sollte, sodass es nicht zur Inzucht und weiteren Kaninchennachwuchs kommt.

Pubertät
Kleine Rassen kommen mit ca. 3-4 Monaten, größere Rassen mit 7-8 Monaten in die Pubertät. Wie auch Menschen zeigen Kaninchen in dieser Zeit rebellisches und teilweise aggressives Verhalten. Die noch kleinen Kaninchen testen jetzt alle Grenzen aus und scheinen die Erziehung komplett vergessen zu haben. Das territoriale Verhalten ist stärker ausgeprägt und das Revier wird jetzt verteidigt und markiert (auch mit Urin). Zudem treten die ersten Rangordnungskämpfe (rammeln, jagen etc.) mit anderen Kaninchen auf, um sich vor allem mit Altersgenossen zu messen. Das Buddelbedürfnis scheint grenzenlos zu sein und die ersten Scheinträchtigkeiten bei den Weibchen können auftreten. 

Erwachsensein
Zwischen neun und 15 Monaten (entspricht etwa je nach Rasse 12-17 Menschenjahre) ist der Spuck vorbei und die Pubertät endet. Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr (entspricht etwa je nach Rasse 60-90 Menschenjahre) sind sie jetzt in der Phase des Erwachsenseins. Es wurden viele wichtige Lebenserfahrungen gemacht, der Platz in der Hierarchie der Gruppe ist ausgefochten und das Revier abgegrenzt. Die Kaninchen sind charakterlich gefestigt und können sowohl sich als auch ihre Artgenossen gut einschätzen.

Senioren
Etwa ab dem sechsten Lebensjahr beginnt für Kaninchen die letzte Lebensphase. Ab wann jedoch Alterserscheinungen auftreten, ist je nach Rasse und Gesundheitszustand des Tieres sehr unterschiedlich. Kleinere Kaninchen können zwischen 10 und 12 Jahre alt werden (dies entspricht etwa 80 bis 90 Menschenjahre), größere Rassen werden zwischen 5 und 7 Jahre. Ob ein Kaninchen jedoch dieses Alter erreicht, hängt von den genetischen Faktoren, der Haltung und Ernährung und von Krankheiten ab. Das älteste Kaninchen der Welt ist 18 Jahre alt geworden.

In der freien Natur werden Wildkaninchen nicht so alt, da sie zahlreiche Fressfeinde haben. Viele junge Kaninchen erreichen nicht das Erwachsenenalter, sodass das Durchschnittsalter bei ein bis zwei Jahren liegt.

Als Senioren verändern viele Kaninchen ihr Verhalten: Sie werden ruhiger, eventuell schreckhafter, schlafen mehr, fressen langsamer und das Bewegungsbedürfnis ist herabgesetzt. Ältere Kaninchen reagieren empfindlicher auf Veränderungen und Stress. Das Fell wird etwas grau und der Körperbau knochiger. Außerdem gibt es einige Erkrankungen, die vor allem bei älteren Kaninchen auftreten (u.a. Arthrose, Zahnprobleme und Tumorerkrankungen).

Weiteres zu den kleinen Senioren und deren Haltung in unserem gesonderten Informationstext über Senioren.


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