Nachwuchs

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In freier Wildbahn ist es wichtig, dass sich Kaninchen schnell und wurfstark fortpflanzen, da sie einem hohen Verlust durch Fressfeinden ausgesetzt sind. Das Weibchen bekommt erst beim Deckakt ihren Eisprung, wenn das Männchen ihr in den Nacken beißt (herbeigeführter Eisprung). Die Befruchtung dauert nur wenige Sekunden. Aus diesem Grund dürfen unkastrierte Männchen niemals, wenn auch nur kurz, zu einem Weibchen gesetzt werden. Das Weibchen kann sofort nach der Geburt der Jungen wieder trächtig werden.

 

Ich will doch nur einmal Nachwuchs haben, warum wird mir davon abgeraten?

  • Ist das Weibchen zu jung oder zu alt, kann es zu starken Problemen während der Trächtigkeit oder der Geburt kommen.

  • Sowohl die Mutter, als auch die Welpen können bei der Geburt sterben, z. B. wenn die Kleinen im Geburtskanal stecken bleiben.

  • Nimmt die Mutter ihren Nachwuchs nicht an, musst du sie mit der Hand aufziehen. Dies bedeutet, alle 3 Stunden (auch nachts!) aufstehen, füttern und Bäuchlein reiben. Dies erfordert Erfahrung, Geschick und Nerven. Jedoch überleben die wenigsten Welpen diese Aufzucht.

  • Werden die jungen Männchen nicht ab der 8. Woche kastriert, werden sie geschlechtsreif und vermehren sich mit der Mutter oder den Schwestern. Inzucht fördert Missbildungen und Krankheiten.

  • Die Kosten für die Kastration für jedes Welpen-Männchen beträgt 30 – 65 € und die Impfung aller neuen Tiere je 10 – 40 €. Viele Welpen leiden sehr früh an Kokzidien oder anderen Krankheiten, die schnell beim Tierarzt einige hundert Euro kosten können.

  • Die Tierheime und Pflegestellen der Tierschutzorganisationen sind jetzt schon restlos überfüllt. Neue Kaninchen nehmen einem Tierheimtier die Chance auf ein gutes Zuhause. Mach dich nicht an diesem Leid mitschuldig, indem du neuen Nachwuchs produzierst!

  • Bisher unentdeckte vererbliche Krankheiten können bei dem Nachwuchs ausbrechen.

  • Die Vermittlung in ein artgerechtes Zuhause kann einige Monate dauern, Geld für Futter und evtl. medizinische Behandlung, sowie ausreichend Platz müssen vorhanden sein. Verschenkt man die Tiere oder setzt keinen Schutzvertrag auf, werden sie schnell zu Schlangenfutter. Vorher angekündigte Abnehmer sollten die Tiere nicht einzeln in einem kleinen Käfig halten. Selbst Zoofachhandel nehmen nicht jedes Tier und selbst wenn, sind es oft die Tiere die in ein Nicht-artgerechtes Zuhause kommen.

  • Wenn du die Welpen behalten möchtest, brauchst du mindestens 2 – 3 m² dauerhaften Platz auf einer Ebene pro Tier. Verfügst du über diesen Platz, ist es sinnvoller heimatlose Kaninchen aus dem Tierheim aufzunehmen.

  • Die wenigsten Laien und Hobbyzüchter verfügen über das Wissen der Genetik/Vererbungslehre oder kennen den Stammbaum ihrer Tiere.

  • Bitte denke daran, dass die Welpen missgebildet, chronisch krank (oft Zahnfehlstellung) oder behindert auf die Welt kommen können, auch wenn die Eltern augenscheinlich gesund sind. Wer kümmert sich um die gehandicapten Tiere und wer übernimmt die Tierarztkosten?

  • Sind die Elterntiere Geschwister, kommt es zur Inzucht und das Risiko des Todes oder einer schweren Krankheit erhöht sich deutlich.

  • Hat das Weibchen Probleme beim Abnabeln, kann sie ihren Nachwuchs schwer verletzen (Abbeißen von Gliedmaßen) oder sogar umbringen.

  • Ist das Männchen größter als das Weibchen, kann es bei der Geburt der zu großen Welpen zu ernsten Problemen führen. Die Mutter kann bei der Geburt sterben.

  • Wird ein Junges nicht geboren, verwest es im Mutterleib. Das Muttertier stirbt qualvoll an einer Vergiftung.

  • Das Männchen muss länger als in der Kastrationsquarantäne allein gehalten werden, darunter leidet es sehr.

  • Kaninchen sind nur eine kurze Zeit klein. Sie entwickeln sich schnell zu erwachsenen Tieren und bekommen evtl. einen anderen Charakter, als man sich gewünscht hat.

  • Ein hormoneller Ausgleich des Weibchens kann nur mit einer Kastration und nicht mit einer Schwangerschaft in den Griff bekommen werden.

Mit Lebewesen spielt und experimentiert man nicht! Riskiere nicht das Leben und die Gesundheit deines Kaninchens und der Welpen, verschlimmere nicht die Tierheimsituation, indem du noch mehr Leid schaffst, nur durch einen eigentlich egoistischen Wunsch, einmal Kaninchen aufwachsen zu sehen. Kaninchen zu vermehren ist nicht tierlieb, sondern egoistisch und fahrlässig, denn du bist für deine Tiere und das, was passiert verantwortlich.

Wenn du trotzdem einmal Kaninchen aufwachsen sehen möchtest, erkundige dich in Tierheimen oder bei Tierschutzorganisationen, ob sie zurzeit trächtige Weibchen haben. Dort kannst du dann jeden Tag die Entwicklung der Jungen beobachten oder – bei genügend Fachwissen und Platz – bei dir großziehen, ohne dich selbst schuldig zu machen, sondern stattdessen im Tierschutz zu helfen!

 

Mein Kaninchen ist schon trächtig, was soll ich jetzt tun?

Vorbereitung

  • Männchen sofort von der werdenden Mutter trennen, kastrieren und 6 Wochen in Kastrationsquarantäne lassen.

  • Das gewohnte Gehege des Weibchens nicht stark verändern, aber vergrößern und jeden noch so kleinen Zwischenraum absichern, da der Nachwuchs bald schon die Welt erkunden will. Vermehrt Heu, Stroh, Blätter und Handtücher, sowie mehr Unterschlüpfe anbieten, damit die Mutter ihr Nest bauen kann, wie und wo sie will. Das Nest wird niemals kaputt gemacht.

  • Das Weibchen während der Schwangerschaft nicht unnötig hochheben und nur streicheln, wenn sie es will. Aggressionen des Weibchens tolerieren. Sie will ihren Nachwuchs schützen.

  • Viel gesundes Futter anbieten, aber auf Petersilie verzichten, da es zu verfrühten Wehen führen kann. Salbei sollte auch nicht gegeben werden, da es die Milchproduktion hemmt.

  • Absolute Ruhe und jeglichen Stress wie Türenknallen, tägliches saugen, schreien, rauchen oder lauter Fernseher/Musik absolut vermeiden.

  • Eine Trächtigkeit dauert 28 – 33 Tage.

  • Kurz vor der Geburt das Gehege noch mal gründlich reinigen, das Nest dabei nicht zerstören.

Wenn der Nachwuchs da ist

  • Nestkontrolle durchführen und evtl. Nachgeburtreste, blutverschmierte Einstreu oder Totgeburten entfernen. Alles durchsuchen, ob jemand außerhalb des Nestes geboren wurde und ggf. vorsichtig ins Nest zurücklegen.

  • Die Welpen werden nun 1 – 2 x täglich meistens in den frühen Morgenstunden gesäugt. Meistens bleibt dieses dem Halter vorenthalten.

  • Besonders schwache Tiere nehmen den Blinddarmkot der Mutter auf um eine eigene Darmflora aufzubauen, davon dürfen sie nicht abgehalten werden.

  • Stetigen Kontakt mit dem Tierarzt und erfahrenen Kaninchenhaltern halten.

Entwicklung der Jungen

  • Ab dem 3. Tag: Die ersten Haarspitzen sprießen.

  • Ab dem 10. – 12. Tag: Das Fellkleid bildet sich aus, die Augen öffnen sich.

  • Ab der 4. Woche: Erste Aufnahme von fester Nahrung, Milchaufnahme wird verringert, Spielen und Ausflüge außerhalb des Nestes mit den Geschwistern.

  • Ab der 6. – 8. Woche: Abstillen durch die Mutter, Erziehung des Nachwuchs für ein natürliches Verhalten (z. B. Unterordnung). Kastration aller Männchen bis spätestens zur 12. Woche. Vorsicht, kleine Rassen sind oft frühreif! Man sollte schon im Vorfeld nach einem Tierarzt suchen, der Frühkastrationen anbietet. Viele sagen nämlich, dass dies erst ab der 12. Woche möglich ist, wenn die Hoden schon abgestiegen sind. Dann ist es jedoch eine normale Kastration und keine Frühkastration ohne Einzelfrist.

  • Ab der 12. Woche: Sollten die Männchen noch nicht kastriert sein: Trennung von den Weibchen. Impfung aller Tiere. Frühestens jetzt dürfen die Welpen von der Mutter getrennt werden.

Es gibt Leute, die behaupten, die Mütter würden die Kleinen angreifen, sobald sie abgestillt werden. Dies passiert aber nur, wenn die Mutter keine Chance hat, ihrem Nachwuchs auszuweichen, also in kleinen Boxen oder Ställen. Das Muttertier wird permanent bedrängt und gerät unter Stress. Zu diesem Zeitpunkt muss bereits der Platzbedarf von min. 2-3m² pro Tier bereitstehen, damit die soziale Entwicklung der Welpen gewährleistet wird.

Zum Weiterlesen: Talias Geschichte – Ein Erfahrungsbericht zum Thema Hobbyzucht


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