Die Ad Libitum Ernährung – Bericht und Erklärung von Kim Rieger

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Der Begriff „ad libitum“ stammt aus dem lateinischen und bedeutet übersetzt so viel wie „nach Belieben“. Auf die Kaninchenernährung bezogen ergo, dass die Tiere rund um die Uhr eine Auswahl an Futtermitteln zur Verfügung gestellt bekommen, wobei diese Frischfuttersorten kaninchengerecht und an Vegetation, Klima, Jahreszeit und Wetterverhältnissen angepasst ausgesucht werden. Auf eine abwechslungsreiche Auswahl der Sorten wird hierbei Wert gelegt.

Der sich hervorhebende Vorteil dieser Ernährungsart den Kaninchen gegenüber ist, dass sie erst zu selektieren beginnen, wenn eine große Auswahl an Gemüsepflanzen, Gräsern, Kräutern, Ästen, Obst und Blättern, sowie Wildpflanzen zur freien Verfügung gestellt wird. „Selektion ist der Schlüssel zur Vitalität, denn erst wenn das Kaninchen selektiert, frisst es nach seinen Bedürfnissen“, sagte Viola Schillinger einmal. Wenn man den Kaninchen diese Selektionsmöglichkeit nun nicht bietet, ist es die Verantwortung des Menschen die für das Kaninchen ideale Futterzusammensetzung zu finden und dem entsprechend zu füttern. Dies ist jedoch aus Sicht vieler Ad Libitum-Fütterer nicht möglich, da das Kaninchen von Tag zu Tag, ja sogar von Stunde zu Stunde, unterschiedliche Bedürfnisse was das Fressverhalten angeht hat, welche von Tier zu Tier individuell ausfallen. Zudem führen auch andere Faktoren zu unterschiedlicher Futteraufnahme. So zum Beispiel der Körperbau und der gesundheitliche Zustand des Tieres. Auch äußere Faktoren wie die Lebenssituation, die Vegetation etc. Haben Einflüsse auf die Bedürfnisse der Kaninchen. Bei der Ad Libitum Ernährung lässt sich erkennen, dass in bestimmten Situationen bestimmte Futtermittel nicht gefressen, andere jedoch bevorzugt werden. Diese Aufnahme der verschiedenen Futtermittel kann sich jedoch von Zeit zu Zeit ändern. Diese Beobachtung ist bei rationiert ernährten Tieren nicht zu machen.

Ebenfalls sind Kaninchen, welche ad libitum ernährt werden, selbst die Verantwortlichen für das was sie fressen, auch wenn der Besitzer hierbei immer ein Augenmerk darauf haben sollte. Das Kaninchen ist dadurch nicht dazu gezwungen Heu, welches trotz dessen angeboten werden sollte, aufzunehmen, was bestimmte Reaktionen wie Nieren- und Blasenerkrankungen durch Wassermangel und Mangelerscheinung durch Nährstoff- und Vitaminmangel, zu einem Teil verhindern kann. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Aufnahme dessen was Kaninchen fressen immer unter Beobachtung bleiben sollte.

Eine Ad Libitum Ernährung baut auf zwei Säulen auf. Die eine ist die ständige Verfügbarkeit. Hierbei haben viele Ad Libitum-Fütterer die Erfahrung gemacht, dass eine zwei bis dreimal tägliche Gabe von Futter ausreichend ist, wenn man nach einiger Zeit die Menge, die benötigt wird um immer Futter anzubieten herausbekommen hat. Ein guter Richtwert für die Menge ist, dass man zu wenig gefüttert hat, wenn nichts mehr übrig bleibt. Jedoch zu viel, wenn haufenweise Futter liegen bleibt.

Des Weiteren ist die Vielfalt der angebotenen Futtermittel wichtig. Im Sommer sind Wiesenkräuter für eine natürliche Ernährung das Optimalste, da man hierbei der Ernährung der Wildkaninchen am nächsten kommt. Ist eine Wildkräuterfütterung aufgrund von städtischem Wohnen etc. nicht möglich, so sollte auf Gemüse (viel Blättriges etc.) ausgewichen werden. Im Winter ist das Anbieten von Obst und Gemüse, sowie idealerweise frischen Kräutern empfehlenswert. Bei frischen Kräutern kann durchaus auch auf getrocknete Kräuter ausgewichen werden, wo man jedoch darauf achten sollte, in wie weit dieses Futtermittel für die Kaninchen blasen- und nierenbedingt verträglich ist.

Die Umstellung von einer rationierten auf eine ad libitum Ernährung sollte langsam ablaufen, da die Auswahl und die Menge von Mal zu Mal gesteigert werden sollte, damit sich die Verdauung auf die Futtermittel und die Menge einstellen kann und auch die Kaninchen psychisch sich daran gewöhnen können, immer Futter zur freien Verfügung zu haben und nicht alles auf einmal runter schlingen. Es empfiehlt sich am Anfang öfter zu füttern und kleine Portionen anzubieten, die so immer weiter gesteigert werden.

Bei dieser Art der Ernährung ist jedoch unbedingt zu beachten, dass diese nicht für jedes Kaninchen geeignet ist. Nicht jedes Kaninchen ist gesundheitsbedingt dazu im Stande frei zu selektieren und viele Futtermittel zu vertragen. Hierbei sollte immer individuell entschieden werden, ob ein Tier mit einer solchen Ernährung auskommt. Beim Abwägen von Pro und Contra steht das Team vom Möhren-sind-Orange gerne per Mail zur Verfügung.

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