Snacks, Brot und Lecksteine

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Brot
Hartes Brot oder Knabberstangen werden häufig für die Abnutzung der Zähne empfohlen. Doch hierfür sind tatsächlich rohfaserreiche Futtermittel, wie Heu, Wiese und frische oder getrocknete Zweige geeignet. Die Zähne reiben sich nur durch eines ab: Zahn-Zahn-Kontakt während der Kaubewegung. Ausschlaggebend bei der Abnutzung der Zähne ist nicht die Härte des Futters, sondern wie lange es gekaut werden muss, hierfür kann der Rohfasergehalt eines Futtermittels zur Rate gezogen werden. Je höher der Rohfasergehalt, desto länger muss das Kaninchen daran kauen. Brot wird im Mund schon allein durch den Kontakt mit Speichel wieder weich und kann mit der Zunge am Gaumen zerdrückt werden. Dadurch wird kein Zahnabrieb gefördert, da es einfach runtergeschluckt werden kann und nicht gemahlen werden muss. Außerdem enthält es neben dem ungesunden, verarbeiteten Getreide Zutaten wie Zucker, Salz, Hefe und Fette, die der empfindliche Kaninchendarm nicht gebrauchen kann. Die stark konzentrierten Kohlenhydrate in Getreide hemmen die Ausschüttung von Motilin, einem Enzym, das für die Darmeigenbewegung, also dem Weitertransport der Nahrung, zuständig ist. Dadurch sinkt die Darmmobilität und bietet einen Faktor zur Entstehung von Verdauungsproblemen. Kommen weitere Faktoren wie Stress, Schmerz, Parasiten oder andere Krankheiten dazu, kann die Verdauung vollständig zum Erliegen kommen.

Salzlecksteine
Ein gesundes Kaninchen bekommt alle nötigen Salze und Mineralien über das artgerechte Futter. Es benötigt keine billigen Kochsalze, die in den Salzlecksteinen enthalten sind. Sie sind absolut überflüssig und können durch die Überversorgung an Natriumchlorid sogar Nierenprobleme verursachen. Wird der Stein ganz verzehrt, kann es zum Nierenversagen und damit zum Tod des Tieres kommen. Gib dein Geld lieber für sinnvolle Sachen aus, die dem Tier nicht schaden.

Kalksteine und andere Mineralsteine
Auch die Kalksteine, an denen meist nur aus Langeweile geknabbert wird, können durch die erhöhte Kalziumversorgung zur Harnsteinbildung und zur Organverkalkung führen. Auch Kalzium zieht das Kaninchen mehr als genug aus seiner natürlichen Nahrung, somit ist auch dieser Stein absolut überflüssig.

Futterergänzungen, Knabberstangen und andere Snacks aus dem Supermarkt
Supermärkte, Zoofachgeschäfte oder Drogerien bieten eine Vielzahl von Snacks für Kaninchen an. Der Kunde bekommt das Gefühl, seinem Tier damit etwas Gutes zu tun. Und gerade Kinder möchten ihren Lieblingen etwas „Süßes“ kaufen, denn sie selbst lieben es ja auch. Dies hat der Handel erkannt und mittlerweile gibt es hunderte verschiedene Arten von Snacks, die oft nicht im Sinne der Gesundheit der Kaninchen sind, sondern lediglich dem Profit des Handels dienen. Die Darmflora wird durch die zucker-, milch- und kohlenhydratreichen Inhaltsstoffe nachhaltig durcheinander gebracht und geschädigt. Schaut man sich die Zusammensetzung vieler Snacks einmal genauer an, so findet man Folgendes: Zucker, Getreide (meist Weizen), Milch, Nüsse, tierisches Eiweiß, frische Eier, Mehl, Maiskleie, Hartbiscuit, Zuckerrohrmelasse, Bäckernebenerzeugnisse, Fette, Joghurt, Honig und Nebenerzeugnisse (Abfälle aus der Nahrungsmittelindustrie) oder sogar Schokolade, Popcorn und Marzipan. Nichts davon gehört in einen Kaninchenmagen. Davon abgesehen, dass ein Kaninchen in freier Wildbahn niemals an Honig oder Joghurt gelangen würde, belasten diese Inhaltsstoffe den Darm der vegan lebenden Tiere enorm. Im Gegensatz zu uns Menschen sind Kaninchen keine Allesfresser und ihre Darmflora ist sehr empfindlich und nicht auf diese Zutaten eingestellt. Auch wenn auf der Verpackung steht, man könne es ab und zu mal verfüttern, sollte man ganz auf diese Krank- und Dickmacher verzichten und stattdessen auf unten genannte Alternativen ausweichen. Sie sind nicht mit Bonbons für Menschen vergleichbar, die wir uns ab und zu mal gönnen dürfen, denn der pH-Wert und die Zusammensetzung der Darmflora wird hier dauerhaft geschädigt.
Schön in Form gepresste Leckerlies sollten ebenfalls nicht angeboten werden, da sie im Magen nachquellen. Dadurch wirken sie sättigend und stellen ebenfalls einen negativen Faktor für die Verdauung dar. 

Die Kaninchen fressen weniger Heu und Frischfutter, welche für den Zahnabrieb und die Verdauung elementar sind. Die Nährstoffe und Mineralien daraus sind ebenfalls lebensnotwendig. Beim Verzicht können Mangelerscheinungen auftreten.

Gesunde Snacks
Die gesunde Alternative können Leckerlies in Form von Erbsenflocken, Sonnenblumenkernen, Karottenscheibchen, getrocknete Apfel– oder ab und zu mal Bananenscheibchen (zuckerfrei) sein. Diese fressen die Kaninchen genauso gerne und es schädigt nicht ihr empfindliches Verdauungssystem. Jedoch sollte stets beachtet werden, dass nicht jedes Kaninchen dasselbe Futter verträgt und mag. Statt Knabberstangen kann man Hirsekolben anbieten. Mittlerweile bieten auch immer mehr Firmen in Tierhandlungen und Internetshops getreidefreie Knabberstangen an. Wichtig ist, sich genau die Inhaltsstoffe durchzulesen und darauf zu achten, dass keine der oben genannten Zutaten aufgeführt wird.

Ganz wichtig:
Ungesunde Snacks sollten definitiv vom Speiseplan der Kaninchen gestrichen und durch gesündere Alternativen ersetzt werden, doch radikale Futterumstellungen können zu ernsten Problemen führen. Daher ist es wichtig, immer eine langsame Futterumstellung durchzuführen. 

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