Pflege

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Allgemeines

Wie bei allen Haustieren bedarf es auch beim Kaninchen der richtigen Pflege, damit es gesund leben kann. Hygiene ist sehr wichtig, denn in einem verschmutzten Kaninchenzuhause breiten sich schnell Krankheitserreger aus

Nicht nur die Umgebung muss artgerecht und sauber gehalten werden, sondern auch das Kaninchen selbst muss auf Krankheitsanzeichen kontrolliert werden, damit Krankheitsanzeichen und Verletzungen nicht übersehen werden. Schließlich sind Kaninchen Meister im Verstecken von Unwohlsein und Krankheiten, da sie sonst in der Natur leichte Beute für Fressfeinde wären und aus ihrer Gruppe verstoßen werden würden.  

Es muss mehrmals täglich darauf geachtet werden, dass das Kaninchen aufmerksam und munter ist sowie unbedingt, ob es frisst 

Außerdem gehört es dazu, auf Verletzungen, Ausfluss (Nasen-, Augen-, Vaginalausfluss und vermehrter Speichelfluss) und Fellverklebungen zu achten. Fellverklebungen und Ausfluss können Anzeichen für verschiedenste Erkrankungen sein. Es ist absolut wichtig im Sommer bei Fellverklebungen auf Fliegenmadenbefall/ Myiasis zu achten. Hierzu gehört es auch nach verklebtem Fell unter dem Schwanz und zwischen den Schenkeln (also im Anogenitalbereich) zu schauen. Verlaufskontrollen des Körpergewichts des Kaninchens helfen den Zustand des Tieres besser einschätzen zu können.  

Krallenpflege, Fellpflege und Gebisskontrolle gehören genauso wie die Reinigung des Lebensraums und Fütterung zur Kaninchenpflege dazu. 

Fellpflege 

Kurzhaarige Kaninchen müssen nur während des Fellwechsels gebürstet werden. Geeignete Bürsten sind im Zoofachgeschäft oder im Internet zu erwerben. Das Bürsten fördert die Durchblutung der Haut, macht das Fell glänzend und soll sich wie eine kleine Massage anfühlen. Außerdem bietet sich dabei eine gute Gelegenheit die Haut auf Verletzungen und Veränderungen abzusuchen. Nicht jedes Kaninchen mag das Bürsten, dies sollte berücksichtigt werden. Gefällt dem Kaninchen die Prozedur jedoch, kann man es durchaus öfter bürsten! Haaren sie sehr stark, kann man widerspenstige Kaninchen, die z. B. nicht gerne angefasst werden, erhöht auf eine rutschfeste Unterlage zum Bürsten setzen. Das bedeutet natürlich erstmal Stress für das Kaninchen, aber es sollte berücksichtigt werden, dass das Risiko eines lebensgefährlichen Haarballens sehr hoch ist, wenn zu viele Haare abgeschluckt werden. Daher empfehlen wir stark haarende Kaninchen im Fellwechsel mindestens 1–2x pro Woche dennoch zu bürsten. Eine sinnvolle Ergänzung kann außerdem ein im Internet erworbener oder selbst hergestellter Bürstentunnel als Möbelstück sein. Alternativ lassen sie sich evtl. auch mit besonders leckerem Futter, wie z. B. Petersilie ablenken. Grundsätzlich ist es auch gut möglich und sinnvoll, dies im Rahmen von Medical Training zu üben. Welche Bürste man bei der großen Auswahl nimmt, bleibt jedem selbst überlassen, da es auch von der Fellstruktur des jeweiligen Kaninchens abhängt, wie effektiv sie loses Fell entfernt. Normale Borstenbürsten, Flohkämme, Fellpflegehandschuhe und auch Zupfbürsten mit gebogenen Stahlborsten haben sich bewährt. Auch ein Furminator kann sehr hilfreich sein, dieser sollte aber nicht öfter als alle 1–2 Wochen im Fellwechsel verwendet werden, da er die Unterwolle rauskämmt. Bei Kaninchen in Außenhaltung ist die Anwendung kritisch zu sehen. Im Sommer kann man die Kaninchen draußen kämmen, so fliegen die ganzen Haare nicht in der Wohnung herum. Achtung: Niemals dem Kaninchen Fell ausreißen, sondern nur das bereits lose Fell mit der Bürste oder der (angefeuchteten) Hand entfernen. Langhaarige Kaninchen müssen wesentlich regelmäßiger gebürstet und täglich auf Verfilzungen im Fell abgesucht werden. Hierbei kann auch eine Schere mit abgerundeten Spitzen hilfreich sein. Vor allem am Bauch, dem After und der Kopfgegend bilden sich schnell Knoten, die sehr schmerzhaft sein und auch Hautveränderungen auslösen können. Es bietet sich an, solche Rassen regelmäßig zu scheren. Dies lässt man sich entweder von dem*der Tierarzt*in zeigen oder man geht in einen Hundesalon dafür. Das Scheren sorgt nicht nur für eine Erleichterung der Temperaturregulation und beugt Verfilzungen vor, auch sich einnistende Fliegenmaden können so schneller erkannt und bekämpft werden. Fliegenmaden sind im Sommer bei mangelhafter Pflege leider eine häufige Todesursache bei Kaninchen. Vorbeugend kann es daher sinnvoll sein in Rücksprache mit dem*der Tierarzt*in regelmäßig ein für Kaninchen geeignetes Spot on zu verabreichen. Die Maden sind auch gerne in der Region der Geschlechtsecken zu finden. Die Geschlechtsecken kann man bei Kaninchen regelmäßig reinigen, wenn sie es nicht selber tun. Dazu kann das eingetrocknete Sekret vorsichtig mit einem feuchten Tuch oder einem Wattestäbchen mit etwas Babyöl entfernt werden. Manchmal bilden sich dort wirklich recht harte Gebilde.  

Krallenpflege 

Gerade in der Innenhaltung mit viel Teppichen und weichem, glatten Untergrund müssen die Krallen der Kaninchen regelmäßig geschnitten werden. Erfolgt dies zu selten kann es zu Fehlbelastungen kommen, wodurch wiederrum eine Pododermatitis entstehen kann. In der Außenhaltung nutzen sich die Krallen meistens ganz natürlich auf hartem Untergrund und Erde ab. Ist man in dem Umgang mit der Krallenschere noch nicht so geübt, kann man sich diesen auch von einem*einer Tierarzt*in zeigen lassen. Du solltest zum Schneiden die Pfote zwischen Zeigefinger und Daumen nehmen und die Ballen mit leichtem Druck auseinanderdrücken. Beim Schneiden muss nun darauf geachtet werden, die feinen Blutgefäße (auch „Leben“ genannt) in den Krallen nicht zu verletzten. Je heller die Krallen sind, desto besser kann das Leben erkannt werden (siehe Bild oben). Die Krallen sind zu lang, wenn sie deutlich aus dem Fell herausschauen. Ausnahme hierbei sind aufgrund ihres kürzeren Fells lediglich Rexkaninchen. Beginnen sie sich bereits einzudrehen, sind sie viel zu lang. Kaninchen haben an den Vorderfüßen 5 Krallen, wobei die Daumenkralle oft gut versteckt ist und sich bei Überlänge gerne einrollt. An den Hinterbeinen finden sich 4 Krallen. Die Krallen sollten etwa 2mm vor dem Gefäß und parallel zum Boden gekürzt werden, dadurch wird eine Abnutzung durch den Untergrund gefördert. Zappeln die Kaninchen, kann man sie vorsichtig in ein Handtuch/einen Kaninchen Wrap wickeln (nicht über den Kopf!) oder man holt sich Unterstützung. Während der eine das Tier festhält, kann der andere ruhig und konzentriert schneiden. Wird einmal doch aus Versehen das Leben getroffen: Nicht panisch werden! Es blutet anfangs stark und tut dem Kaninchen auch weh, ist aber nicht lebensgefährlich. Es ist wie, wenn wir uns den Fingernagel etwas eingerissen haben. Das Blut sollte vorsichtig abgetupft werden, bis die Blutung nachlässt. Auch ein bisschen Knete andrücken kann helfen, die Blutung zu stoppen. Danach kann die Kralle desinfiziert werden. Von Salben sollte man Abstand nehmen, da diese meist nur abgeschleckt werden. Damit dies erst gar nicht passiert, sollte man bei Kaninchen mit dunklen Krallen häufiger und dafür immer nur wenig schneiden. Oftmals kann man sich bei dunklen Krallen auch mit einer Taschenlampe helfen. Beleuchtet man damit die Krallen, kann das Blutgefäß auf diese Weise sichtbar gemacht werden. Die speziellen Krallenzangen (teilweise mit integrierter Beleuchtung) sind im Internet oder im Zoofachgeschäft erhältlich. Wenn man sich z. B. bei dunklen Krallen sehr unsicher im Umgang mit der Krallenschere ist, kann auch das Feilen der Krallen mit einer normalen Nagelfeile versucht werden. Jedoch ist das viel zeitaufwendiger, was womöglich mehr Stress für das Kaninchen bedeutet.  

Fellverklebungen

Hilfreich ist es bei Kaninchen bei der täglichen Kontrolle auf Fellverklebungen zu achten. Verklebungen im Bereich der Nase oder der Pfoten können auf Kaninchenschnupfen hindeuten. Hat das Kaninchen feuchte Stellen am Kinn, verklebtes Fell oder gar eine Beule am Kinn können dies Anzeichen einer ernsthaften Zahnerkrankung und Zahnfehlstellung sein. Verklebungen unter der Blume bzw. im Bereich zwischen den Hinterbeinen können auf Durchfall oder eine Blasenentzündung hindeuten. Es kann aber auch sein, dass das Kaninchen sich z. B. aufgrund von Übergewicht oder Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule dort einfach nicht mehr putzen kann.  

Generell deuten Verklebungen im Fell auf Verletzungen hin. 

Bei jeder genannten Art von Veränderung ist das Kaninchen einem*einer Tierarzt*in vorzustellen. 

Gebisskontrolle 

Die Zähne, also Schneide- und Backenzähne des Kaninchens wachsen ständig nach (die Schneidezähne ca. 2 mm/Woche). Sie nutzen sich aber bei richtiger Ernährung auf natürliche Weise ab, sofern keine genetische Fehlstellung der Zähne vorliegt. Um eventuelle Schäden rechtzeitig zu behandeln, sollten die Zähne regelmäßig kontrolliert werden. Schaut man sich die Zähne eines Kaninchens an, so sollte man sehen, dass die Schneidezähne relativ gerade aufeinander greifen, wobei bei genauerem Hinsehen auffallen sollte, dass die Unteren einen Tick hinter den Oberen sitzen. Das Verhältnis der oberen zu den unteren Schneidezähnen sollte dabei 1:1 und die Bissfläche gerade sein. Die Zähne eines gesunden Kaninchens dürfen maximal eine Längsrille, keine Querrillen aufweisen. Sehen die Schneidezähne verändert aus, kann man davon ausgehen, dass auch die Backenzähne nicht in der richtigen Position stehen, wodurch sich die Schneidezähne dann nicht mehr richtig abnutzen konnten. Sehen die Schneidezähne schön aus, heißt das leider nicht zwangsläufig, dass dies auch bei den Backenzähnen der Fall ist. Die Backenzähne können nur mit einem Otoskop oder einem Spreizspekulum beurteilt werden. Niemals sollte ein*e Tierarzt*in dafür einen Maulspreizer am wachen Tier verwenden!
Gerade Zwergkaninchen und Widder haben durch den kleinen und rund gezüchteten Kopf und den verkürzten Oberkiefer oft Gebissfehlstellungen und müssen dann regelmäßig zum*zur Tierarzt*in, um die Zähne schleifen zu lassen. Ansonsten wachsen sie immer weiter, bis das Tier nicht mehr fressen kann und die Zähne in das Zahnfleisch und die Zunge hineinwachsen. Häufig ist die Ursache von Zahnfehlstellungen allerdings in der falschen Ernährung begründet!  

Wie erkenne ich, ob mein Kaninchen eine Zahnfehlstellung hat?
Die regelmäßige Kontrolle, auch des*der Tierarzt*in, ist eine wichtige Prävention. Des Weiteren sollte man auf das Fressverhalten achten. Fließt Speichel aus dem Mund des Tieres, bevorzugt es nur noch weiches/schnell aufweichendes Futter oder kaut es „leer“ (d. h. es bewegt den Kiefer ohne das Nahrung im Mund ist), kann es sich um eine Zahnfehlstellung handeln. Doch nicht immer sind diese Anzeichen zu erkennen. Schuld daran sind Haken und Spitzen, die sich an den Backenzähnen gebildet haben. Sie dringen in die Zungen- bzw. Backenschleimhaut ein und können dort schwere Entzündungen verursachen. Stellt der*die Tierärztin Spitzen fest, sollte immer auch eine Bildgebung erfolgen um die Ursache abzuklären. 

Gewichtskontrolle 

Mit einer Küchen-/Babywaage sollte das Gewicht gerade bei Jungtieren häufig gemessen werden. Da das Kaninchen wahrscheinlich nicht still auf der Waage sitzen bleibt, kann man es in die Transportbox o. Ä. setzen und anschließend die Box vom Gewicht abziehen bzw. die Box vorher austarieren. Alternativ kann man Kaninchen auch mit Leckerlies beibringen ganz stressfrei auf die Waage zu springen. Da Kaninchen Krankheiten gut verbergen können, bietet es sich an, das Gewicht einmal wöchentlich zu notieren. So können Krankheiten oftmals frühzeitig erkannt und bekämpft werden, noch bevor das Kaninchen weitere Symptome zeigt. Gerade bei der Erkennung von Darmparasiten und Zahnproblemen lohnt es sich regelmäßig zu wiegen. Bei starken Gewichtsveränderungen sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Saisonale Schwankungen sind im Rahmen, so nehmen Kaninchen schon alleine durch das dicke Winterfell zur kalten Jahreszeit hin etwas zu und im Frühjahr wieder ab. Minimale Gewichtsveränderungen können mit dem Harn- oder Urinabsatz in Verbindung stehen. Allerdings sollte das Gewicht nicht bei jeder Kontrolle kontinuierlich weiter nach oben bzw. unten gehen. Auch dann bietet es sich an eine*n Tierarzt*in aufzusuchen und eine Kotprobe untersuchen zu lassen. 

Ein Kaninchen darf auf keinen Fall gebadet werden! In Ausnahmefällen ist es aber für bestimmte Körperregionen notwendig: Waschanleitung 

Beispiel-Pflegeplan 

Täglich: 

  • Heu frisch auffüllen (zweimal täglich, lieber kleine Mengen und dafür frisch) 
  • Toiletteneinstreu auswechseln 
  • Wasserschale reinigen und mit frischem Wasser auffüllen 
  • Futternapf mit warmem Wasser reinigen, trocknen und neu auffüllen 
  • auf Verhaltensveränderungen bei den Kaninchen achten (z. B. Fressunlust, Bewegungsunlust, Zähneknirschen, Verletzungen, verändertes Verhalten) 

Einmal in der Woche: 

  • Ohren und Nase auf Verkrustungen und Ausfluss kontrollieren. Sie sollten sauber und trocken sein 
  • Augen auf Verkrustungen/Ausfluss kontrollieren. Sie sollten klar und glänzend sein. 
  • Die Geschlechtsecken auf Verunreinigungen prüfen und ggf. mit einem feuchten Lappen säubern
    Tipp: bei zahmen Kaninchen kann man die Afterkontrolle ganz stressfrei machen, indem man das Schwänzchen etwas hochklappt, wenn sie entspannt liegen 
  • Fell durchkämmen und auf Verkrustungen/Verletzungen achten 
  • Gebisskontrolle 
  • Wiegen 
  • Krallen kontrollieren und ggf. schneiden 
  • Abtasten des Kaninchens (insb. des Kiefers): sind Verdickungen oder Veränderungen erkennbar 
  • Die Toilettenschale komplett mit warmem Wasser reinigen 
  • komplette Reinigung des Geheges (Einstreu wechseln, Gegenstände mit Wasser reinigen) 
  • Gitterstäbe mit einem feuchten Lappen abwischen 

1-2x jährlich (Frühjahr/Herbst): 

  • Kotprobe untersuchen lassen (vor der Impfung) 

Die Angaben sind nur ein Beispiel der Pflege. Sie variieren sehr stark, je nachdem, wie viele Tiere gehalten werden, was sie alles so dreckig machen und ob sie draußen oder drinnen leben. Entscheide selber, wie oft du das Gehege reinigen musst, damit deine Tiere nicht krank werden! 

 

Eine sehr anschauliche und kostenfreie Video-Anleitung von Diana Ruf zum wöchentlichen „Kaninchen-TÜV“ zur Früherkennung von Krankheiten gibt es hier 


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