Narkose

Infotext zum Download

Abstract

Nicht selten muss beim Kaninchen eine Narkose durchgeführt werden, um Eingriffe wahrnehmen zu können, die oftmals lebensrettend sind. Die Narkose ist zwingend erforderlich, um eine Bewusst- und Schmerzlosigkeit hervorzurufen. Die Sorge um das Narkoserisiko ist dabei bei den Kaninchenhalter*innen und auch den Tierärzt*innen recht hoch. Mit der richtigen Vor- und Nachbereitung und dem richtigen Narkoseregime ist das Risiko jedoch überschaubar.  

Die Narkose (Zustand der Schmerz- und Bewusstlosigkeit) eines Kaninchens ist in bestimmten Situationen unumgänglich. Zu solchen Situationen zählen zum Beispiel für das Tier sehr unangenehme Untersuchungen und Behandlungen, wie z. B. eine Zahnkorrektur, aber auch chirurgische Eingriffe. Als Narkose wird eine Art „Schlaf“ bezeichnet, in welchem die Tiere keine Sinnes- und Empfindungswahrnehmung mehr haben. Dinge wie Wärme, Kälte, Geräusche oder auch Schmerz werden von den Tieren in diesem Zustand nicht wahrgenommen. Dieser Schlaf wird durch entsprechende Narkotika herbeigeführt. Ein gewisses Narkoserisiko existiert bei jedem Lebewesen. Durch eine durchdachte Anästhesie und Narkotikadosierung kann dieses Risiko jedoch minimiert werden. In gestressten Situationen haben die Kaninchen ein höheres Narkoserisiko, als Kaninchen, die im ruhigen Zustand narkotisiert worden. Deshalb empfiehlt sich, nach dem Transport in die Tierarztpraxis eine mindestens zwei- bis dreistündige Ruhezeit vor der Narkose einzuhalten, in der das Kaninchen in ruhiger Umgebung die Chance bekommt sich vor der Narkose zu beruhigen. Im Idealfall kann das Kaninchen mit seinem Partner auch schon am Vorabend gebracht werden und hat dann die ganze Nacht Zeit sich runter zu fahren und zu akklimatisieren. 

Es gibt unterschiedliche Narkosemittel, welche beim Kaninchen angewandt werden können. Bei vielen, erfahrenen Tierärzten hat sich die Methode der Inhalationsnarkose (Gasnarkose) bewährt. Hierbei werden die Kaninchen erst leicht beruhigt, mittels eines Sedativums (Beruhigungsmittel). Danach wird das Kaninchen mit einer Sauerstoff-Isofluran-Narkose betäubt. Der Vorteil an dieser Methode ist die Steuerbarkeit der Narkose und die schnelle Aufwachzeit, die nur wenige Minuten betrifft (bei Narkosedauer von über einer Stunde sind die Kaninchen ebenfalls nach 30 Minuten wieder wach). Das Gemisch aus Sauerstoff und einem Narkosegas wird direkt von den Kaninchen eingeatmet. Dies geschieht durch eine Sauerstoffmaske, einen Larynxtubus oder einen Endotrachealtubus. Ein weiterer Vorteil ist, dass Isofluran nicht verstoffwechselt werden muss, sondern einfach wieder abgeatmet wird. So ist es für Kaninchen mit Leber- und Nierenproblemen gut anwendbar. Der Nachteil hierbei ist, dass Kaninchen durch den starken, unangenehmen Geruch des Isoflurans oft lange die Luft anhalten. Dadurch geraten sie schnell wieder in eine Stresssituation und es dauert länger, bis die Narkose richtig wirkt. Besonders bei Kaninchen mit sowieso schon vorhandenen Atemproblemen (z. B. bei starkem Kaninchenschnupfen) ist zu bedenken, ob Isofluran vor Allem in der Einschlafphase nicht umgangen werden sollte. Außerdem führt Isofluran genauso wie die Medikamente, die man spritzt zu einer Kreislaufdepression. Isofluran alleine nimmt keine Schmerzen. Insgesamt ist das Narkoserisiko an sich, nicht geringer.  

Ist der Eingriff mit größeren Schmerzen verbunden, ist eine vollständig antagonisierbare Triple-Injektionsnarkose empfehlenswert. Dabei werden drei Medikamente gespritzt, deren Wirkung mit drei weiteren Medikamenten bei Bedarf sofort wieder aufgehoben werden können. Meist wird für diese Narkose Midazolam (Beruhigungsmittel), Fentanyl (Betäubungs-/Schmerzmittel) und Medetomidin (Beruhigungs-/geringgradiges Schmerzmittel) verwendet. Ebenso hat sich der Einsatz von Ketamin bei Kaninchen bewährt, welches ebenfalls ein gutes Schmerz- und Narkosemittel darstellt. Es ist jedoch nicht antagonisierbar und zählt daher nicht zu der antagonisierbaren Anästhesie. Eine Kombination aus Ketamin und Xylazin, wie es oft für Hunde und Katzen verwendet wird, ist beim Kaninchen nicht anzuraten, da Xylazin negative Auswirkungen auf den sowieso instabileren Kreislauf der Kaninchen hat. Es gibt darüber hinaus einige weitere Medikamente, die verwendet werden können.  

Generell ist wichtig, dass die Entscheidung welches Anästhesieregime verwendet wird auf das Tier und dessen Erkrankung angepasst wird. Dies ist eine Tierarztentscheidung.  

Die präoperative Vorsorge (Vorsorge vor der Operation) 

Ein Kaninchen sollte, aufgrund seines besonderen Verdauungssystems, vor einer Narkose nicht ausgenüchtert werden. Jedoch sollte fünf Tage vor dem Narkosetermin kein für das Individuum schwerer verträgliches Futter verfüttert werden. Futter sollte jedoch grundsätzlich auch vor einer Operation angeboten werden. Sowohl auf dem Weg in die Tierarztpraxis, als auch vor Ort. Das gewohnte Futter solltest du somit mit in die Praxis geben. Direkt vor der Narkose sollte dem Kaninchen von den Tierärzt*innen aber der Mund ausgespült und das Futter sowie Wasser zur Einschlafphase entfernt werden, um einem Verschlucken vorzubeugen. 

Die postoperative Betreuung (Betreuung nach der Operation) 

Kaninchen sollten, wenn sie wieder zu Hause angekommen sind, sofort in ihre gewohnte Umgebung gesetzt werden, da dies den Stress reduziert. Tiere, die nach längeren Operationen zwar wieder ansprechbar, aber noch nicht vollständig munter und wackelig sind, sollten in der Anfangszeit noch in einem stabilen, sicheren Bereich (z. B. Transportbox) untergebracht werden, um Verletzungen durch Ungeschicklichkeit vorzubeugen. Das Ziel sollte sein, die Tiere so schnell wie möglich wieder in ihre gewohnte Umgebung und zu ihren Artgenossen zu bringen. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass das Kaninchen definitiv wieder wach ist, seine Umgebung wahrnimmt und eine normale Körpertemperatur hat. Vorher sollte es die tierärztliche Praxis nicht verlassen. 

Die Haltung auf Handtüchern ist nach einer Narkose nicht zwangsläufig notwendig, da dies die Gefahr der Aufnahme von Textilien birgt. Eine gewohnte Einstreu ist ebenfalls möglich. Im Idealfall bietet man beides an, so kann sich das Kaninchen aussuchen, wo es ihm angenehmer ist. Hat das Tier große Nähte sollte die Einstreu möglichst staubarm und sauber sein. Gegenstände zum Draufspringen sollten vorläufig entfernt werden, damit beim Hochspringen die Naht nicht durch den entstehenden Zug reißt. 

Die Körpertemperatur des Kaninchens sollte weiterhin beachtet werden. Die Normaltemperatur liegt zwischen 38°C und 39,5°C. Sollte die Temperatur darunterfallen, sollte eine Wärmequelle angeboten werden. Das kann ein Snuggle Safe, Wärmekissen, Wärmflasche oder Wärmelampe sein. Hier ist wichtig darauf zu achten, dass das Kaninchen nicht überhitzen kann und bei Bedarf in einen Bereich ohne Wärmequelle gelangen kann. Eine Temperaturkontrolle ist selbstverständlich angeraten.  

In den ersten Stunden zu Hause sollte das Kaninchen vollkommen in Ruhe gelassen werden. Je nach Schwere der Operation und Allgemeinbefinden des Patienten kann päppeln notwendig sein. Mehr lesen… Oft ist es nötig, dass die nächsten Tage nach der Operation auch Schmerzmittel und andere Medikamente verabreicht werden. 


Das könnte dich auch interessieren:
Wo finde ich einen guten Tierarzt?
Wie transportiere ich meine Kaninchen sicher?
Wie hebe ich Kaninchen richtig hoch?

Gerne unterstützt dich das Möhren sind orange-Team
bei Fragen und Problemen rund um die Kaninchenhaltung.
Erreichbar unter kontakt@moehren-sind-orange.de oder direkt hier.