Futterumstellung und Diät

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Futterumstellung
Jede Futterumstellung (auch die Abgewöhnung von Futter) muss langsam und schrittweise erfolgen. Viele Kaninchenhalter füttern gleich zu Beginn zu viel von neuem Futter. Dabei wird der Darm stark belastet und die Folgen sind oft Durchfall oder Blähungen. Es sollte stattdessen mit kleinen Häppchen begonnen werden, die von Tag zu Tag ein bisschen gesteigert werden. Führe die Umstellung lieber zu langsam, als zu schnell durch. Der Richtwert einer kompletten Umstellung ist 4-6 Wochen. Nasses Futter sollte ebenfalls langsam angefüttert werden, wenn die Kaninchen bisher nur trockenes Futter gewohnt sind. Bekommen die Kaninchen Durchfall, war die Umstellung zu schnell, man sollte wieder einen Schritt zurückgehen und sich mehr Zeit lassen. Je älter ein Kaninchen ist, umso länger sollte man für eine Umgewöhnung einplanen. Jungtiere lassen sich meist innerhalb 1-2 Wochen gut auf Frischfutter umstellen.

Zu dick?
Viele Kaninchen leiden an Übergewicht (siehe Bild oben). Dies ist auch kein Wunder, wenn die Lieblinge mit großen Augen nach Leckerlies betteln. Das Gewicht ist von der Rasse und Größe des Tieres abhängig, deswegen kann man keine allgemein gültige Angabe machen, ab wann ein Kaninchen zu dick ist. Nach Gewichtsangaben sollte man nur gehen, wenn man ganz sicher eine vom ZDRK anerkannte reinrassige Rasse hält. Ist dies nicht der Fall, können solche Angaben irreführen. Leider ist manchmal das Fell auch zu dick, um eventuelle Speckröllchen zu sehen.
Im Idealfall sollte man Rippen und Wirbelsäule gut fühlen, aber nicht sehen können.

Fühlt man beim Abtasten kaum die Rippen oder Wirbelsäule, hat das Kaninchen ein Doppelkinn (Wamme) oder tritt der Bauch an beiden Seiten des liegenden Kaninchens hervor, sollte unbedingt die Ernährung überdacht werden. Ein Kaninchenmagen muss jedoch ständig gefüllt sein, damit die Verdauung in Gang bleibt. Es dürfen keine Fütterungspausen eingesetzt werden, denn Kaninchen haben einen sogenannten Stopfdarm, der nur sehr schwach bemuskelt ist. Wenn oben also kein Futter nachgeschoben wird, kommt unten nichts mehr heraus und im Magen bilden sich Gase. Dies ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch gefährlich, denn Kaninchen haben keine Möglichkeit, wie wir Menschen, überschüssige Luft „abzulassen“. Daher ist es wichtig den Energiegehalt der Nahrung zu ändern: Mehr Rohfaser, weniger Kohlenhydrate, keine Leckerlies mehr und vor allem viel Bewegung. Kalorienhaltiges Futter, wie Trockenfutter, Sämereien, aber auch Obst, Knollen- und Wurzelgemüse sollte vom Speiseplan gestrichen werden. Junge Wiesenkräuter, vor allem Löwenzahn und Luzerne, sind auch sehr energie- und eiweißreich. In erster Linie sollte also Wiese und/oder blättriges Gemüse verfüttert werden. Zusätzlich kann das Futter erhöht aufgehängt werden, damit sich die Kaninchen danach recken und strecken müssen, oder man verteilt es im ganzen Gehege in Verstecken. Neue Einrichtungsgegenstände und Abwechslung animieren die Kaninchen sich mehr zu bewegen.

Bedenke auch die gesundheitlichen Gefahren, die Übergewicht mit sich bringt! Übergewichte Kaninchen können sich nicht mehr so gut putzen und ihren Blinddarmkot vom After aufnehmen. Das fördert die Gefahr eines Fliegenmadenbefalls. Außerdem leiden unter zu hohem Gewicht die Gelenke und Fußballen, sodass eine Folge nicht selten Arthrose und Wunde Läufe sind. Dicke Kaninchen haben im Krankheitsfall ein erhöhtes Narkoserisiko, da sich die Narkosemittel ins Fettgewebe einlagern und dadurch schlechter wieder abgebaut werden können, Fettnekrosen können ebenfalls entstehen. Aber auch in wachem Zustand belastet Übergewicht den Kreislauf, sodass dieser Zustand auch zu Herzproblemen führen kann.

Auch im Winter benötigen unsere Hauskaninchen keinen Winterspeck, denn sie bekommen weiterhin täglich ihr Futter vorgesetzt und sind nicht darauf angewiesen in Hungerszeiten von ihren Körperreserven zehren zu müssen.

Kaninchen, die gesund sind und artgerecht mit ausreichend Auslauf gehalten werden, sind weder zu dick noch zu dünn. In einer artgerechten Ernährung haben handelsübliche Trockenfuttermischungen, Drops, Brot, Knabberstangen und andere Snacks aus dem Supermarkt nichts zu suchen. Zudem haben artgerecht gehaltene Kaninchen immer die Möglichkeit, sich ausgiebig zu bewegen. Dies ist nicht nur wichtig für ihr Wohlbefinden, sondern auch für einen gesunden Körper.

Wenn dein Kaninchen nun zu dick sein sollte, solltest du die Ernährung und Haltung überdenken und eine Futterumstellung durchführen. Das Kaninchen wird so auf natürliche Weise abnehmen, ohne zu hungern oder anderweitig gefährdet zu werden.

Zu dünn?
Fühlt sich das Kaninchen sehr knochig an und die Wirbelsäule ist erkennbar, wiegt das Tier zu wenig und du solltest, gerade bei einem radikalen Gewichtsverlust, schnellstmöglich deinen Tierarzt aufsuchen. Derartige Gewichtsabnahmen können einen gesundheitlichen Grund haben, nicht selten handelt es sich dabei um Zahnprobleme oder Darmparasiten. Aber auch unter Kaninchen gibt es einfach schlechtere Futterverwerter, meistens Riesen, oder Kaninchen, die in bestimmten Lebensphasen (Trächtigkeit, Säugeperiode, Krankheit, Alter) einen erhöhten Energiebedarf haben und dann abnehmen, wenn dieser nicht gedeckt ist. Auch Stress kann der Grund einer Gewichtsabnahme sein. Es macht Sinn, seine Kaninchen regelmäßig zu wiegen. Daran erkennt man frühzeitig Gewichtsschwankungen und mögliche Krankheiten, bevor sich diese mit weiteren Symptomen äußern. Schnelles Handeln kann hier lebensrettend wirken! Wurde die Ursache erkannt und behandelt, gilt es das Kaninchen wieder hochzupäppeln. Zum normalen Futter kann man ihm immer wieder Leckerlies wie Erbsenflocken, Erdnüsse oder Sämereien zustecken. Junges Grün, Löwenzahn, Knollen- und Wurzelgemüse sowie kleine Stücke Obst sind ebenfalls super Dickmacher.


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