Mythos Kohl

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Der Mythos, dass Kaninchen keinen Kohl fressen dürfen, hält sich bis heute. Oft hört man die Aussage „Kaninchen dürfen keinen Kohl fressen, er wirkt aufgasend und das ist schädlich für die Tiere.“ Selbst unerfahrene Tierärzte raten meist vom Kohlfüttern ab. Der Grund, wieso das Kaninchen den Kohl nicht richtig verträgt, sind jedoch wir. Wenn wir ihn nicht richtig anfüttern und zusätzlich ungesundes Trockenfutter verfüttern, oder dem Kaninchen nicht genug Bewegung bieten, kann die Verdauung nicht richtig arbeiten. Grundsätzlich ist jeder Kohl für Kaninchen fressbar, wenn man richtig vorgeht. Wie jedes Gemüse sollte er roh verfüttert werden.

Der Mythos trifft allerdings nur auf die wenigsten Hauskaninchen zu. Die meisten Kaninchen vertragen Kohl sehr gut, wenn man ein paar kleine Hinweise befolgt. Das Füttern von Kohl ersetzt allerdings keine Wiesenernährung, er ist nur als Alternative für den Winter zu sehen. Findet man wegen Schnee oder Frost nicht mehr genug Futter kann man Kohl im Supermarkt dazu kaufen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Futterplan 80% Blättriges enthalten sollte. Das ist unter anderem wichtig für den Zahnabrieb. Kohl kann zur leichten Gasbildung im Darm führen, um diese gut Abführen zu können, muss das Kaninchen genügend Platz haben, um sich bewegen zu können. Die Bewegung regt die Darmaktivität an. Beim Anfüttern kann es dazu kommen, dass sich die Bakterien im Blindarm, die sich von Zucker ernähren, zu stark vermehren. Dadurch können Gärprozesse entstehen, dabei entsteht die Gasbildung.

Grade im Winter ist Kohl ein sehr gutes Futter. Im Vergleich zum Salat ist er wesentlich frostbeständiger. Er lässt sich über den Sommer sehr gut im Garten anbauen und die ganze Pflanze ist fressbar, es sollte allerdings keine chemischen Dünger oder Pflanzenschutzmittel verwendet werden. Diese werden über die Erde von den Pflanzen aufgenommen und in ihr abgelagert. Diese Stoffe gehören nicht ins Kaninchen. Im Winter gehören verschiedene Kohlsorten auf den Speiseplan, um eine abwechslungsreiche Ernährung zu gewährleisten. Er sollte immer in einer guten Mischung angeboten werden. Kohl ist kein Alleinfuttermittel. Hartkohl ist im Allgemeinen schlechter verträglich und sollte erst gefüttert werden, wenn das Kaninchen die anderen Kohlsorten bereits vertragen hat.

Leicht verträglich

Schwer verträglich

Blumenkohl

Rosenkohl

Kohlrabi

Wirsing

Chinakohl

Rotkohl

Romanesko

Weißkohl

Spitzkohl

Brokkoli

Wichtig! Nicht nur die hier aufgelisteten Kohlsorten sind fressbar!

Jede Sorte Kohl kann verfüttert werden, sie haben unterschiedliche Eigenschaften. So ist Grünkohl sehr vitaminreich, er zählt zu den Vitamin C reichsten Gemüsesorten. Rotkohl hingegen enthält viele Mineralstoffe wie Eisen. Für die Färbung ist Anthocyanen verantwortlich. Dem sagt man eine Immunsystem stärkende Wirkung nach, kann allerdings den Urin verfärben. Bei unseren Kaninchen ist Rotkohl allerdings eher unbeliebt. Spitzkohl ist besonders zart und wird daher gern gefressen. Er ist gut verträglich und enthält viel Ascorbigen, welches eine Vorstufe vom Vitamin C ist. Blumenkohl ist ebenfalls eine Vitaminbombe, er soll gegen Magenverstimmungen und Krämpfe helfen. Ihn gibt es nicht nur mit einem weißen Kohlkopf, er ist mittlerweile in vielen Farben erhältlich. Sie sind alle fressbar. Brokkoli stärkt die Abwehrkräfte, Augen, Haut und Nerven. Er enthält viel Kalzium, welches das Harnsteinrisiko steigern kann. Man sieht das jede Kohlsorte seine Vor – und Nachteile hat. In unserer Obst und Gemüse-Liste finden sich noch Information über die weiteren Kohlsorten.

Die Umstellung auf Kohl ist bei Jungtieren am einfachsten, ihr Verdauungstrakt ist noch nicht vom Trockenfutter belastet. Sie können schneller umgestellt werden. Hat ein Tier schon über Jahre Trockenfutter bekommen, muss bei der Umstellung behutsamer vorgegangen werden. Ihr Verdauungstrakt ist meist vom falschem Futter gereizt und reagiert stärker auf die Umstellung. Trockenfutter ist durch seinen hohen Getreideanteil sehr kohlenhydratreich, ähnlich wie Knollengemüse und Obst. Die enthaltenen Kohlenhydrate blockieren im Darm die Motilinrezeptoren. Motilin regelt die Darmbewegung. Das Aufquellen von Trockenfutter im Magen steigert zudem das Sättigungsgefühl, dadurch frisst das Kaninchen weniger und der Vorgang der Verdauung dauert länger. Füttert man dazu noch Kohl, braucht dieser wesentlich länger, um verdaut zu werden somit kann er seine blähende Wirkung mehr entfalten.

Die langsame Umstellung ist außerdem wichtig, damit sich die Darmbakterien auf das neue Futter einstellen können. Diese Umstellung kann einige Wochen in Anspruch nehmen. Das ist völlig normal und davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Das ist es Wert, um den Speiseplan um ein paar Leckerbissen zu erweitern.

Wenn man die Ernährung eines Kaninchens, dass jahrelang Trockenfutter bekommen hat, umstellen möchte, sollte man als Erstes das Trockenfutter reduzieren und stattdessen immer mehr Wiesenpflanzen, Salate und Möhrengrün füttern, Wiese ist immer noch das beste Futtermittel. Während der Umstellung kann auch Fenchel gefüttert werden, er ist gut für die Verdauung. Ist das Trockenfutter abgesetzt, kann nach ein paar Tagen damit begonnen werden, Kohl zu füttern. Für den Anfang wählt man eine leicht verdauliche Sorte, z. B. Kohlrabiblätter. Sie werden erfahrungsgemäß gut angenommen. Man beginnt mit zwei Blättern. Die Menge steigert man täglich, dabei ist darauf zu achten, dass die Kaninchen in einem guten Gesundheitszustand sind. Zeigt das Kaninchen beim Anfüttern gesundheitliche Probleme, wie Durchfall, Appetitlosigkeit oder andere Auffälligkeiten sollte das Anfüttern sofort unterbrochen werden und bei schweren Fällen ein Tierarzt aufgesucht werden. Normalerweise sollten die Symptome nachlassen, wenn das Kaninchen keinen Kohl mehr bekommt. Treten die Symptome häufiger auf, sollten beim Tierarzt die Zähne und eine Kotprobe untersucht werden. Wird eine Sorte Kohl vertragen, kann man mit einer anderen auf die gleiche Weise beginnen. Dabei muss die bekannte Kohlsorte nicht abgesetzt werden. Wird eine Kohlsorte nicht probiert, so kann man mit einer anderen Fortfahren. Wie wir mögen Kaninchen auch nicht alles, später kann man diese Sorte noch einmal probieren. Ist der Kohl erst mal angefüttert, so kann er auch in großen Mengen gereicht werden. Wurde er über einen längeren Zeitraum, ein halbes Jahre oder länger, nicht mehr gefüttert, so muss er neu angefüttert werden.


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